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Geschichte der Herrenschuhe  

  

Runter mit dem alten Plunder

Brokatweste zu Kniebundhose mit gestöckelten Spangenschuhen und gebauschten Spitzenmanschetten?! … Wie langweilig. Um die vor-vor-letzte Jahrhundertwende löste ein junger Stilrebell mit Namen George Bryan „Beau“ Brummel einen kleineren Tsunami in der Männermode aus, dessen Auswirkungen bis heute zu spüren sind.

Brummels innovativer Look, mit dem er erst verblüffte und dann begeisterte, setzte auf kunstvolle Vereinfachung und blasierte Attitüde und machte den englischen Politikersohn und Eton-Musterschüler – während auf dem europäischen Kontinent revolutionäre Turbulenzen und die Napoleonischen Befreiungskriege wüteten - zum Mode-Erneuerer.

Gedeckte Farben, eine schlanke Silhoutte und eine mit perfekter Lässigkeit gebundene Krawatte waren nun eleganter und zeitgemäßer als eine repräsentativ aufgerüschte und allzu steif auftretende Männerkleidung, die mit menuetthafter Inszenierung getragen wurde und sich bisher am großen Vorbild des französischen Hofes von Versailles orientierte.

 

Basically british mit kosmopolitischem Twist

Mit dem neuen Herren-Anzug englischer Prägung, bestehend aus langer Hose und geradlinigem Jacket, getragen zu leichten wadennahen Stiefeln und flachen Lederschuhen, wurde damals der Grundstein zu einer bis heute quintessentiellen Männer-Garderobe gelegt.

Auch wenn ihre Bestandteile in den letzten zweihundert Jahren durch diverse inselfremde Kultureinflüsse überformt wurden – mit „Kummerbund“ und „Jodhpur-Stiefeletten“ vor allem durch Englands Kronkolonie Indien, später auch durch europäische und transatlantische Einflüsse – ist ein Mann damit  bis heute untadelig angezogen.

Doch natürlich ist der moderne Gentleman in den letzten hundert Jahren mit diesen Einflüssen auch anteilig indischer, neapolitanischer, bayerischer, amerikanischer und „kakanischer“ (geprägt durch die alte k-u-k-Donaumonarchie) geworden - mit entsprechend erweiterten Möglichkeiten des nuancierten individuellen Ausdrucks.

 

Rahmengenäht - die vornehmste Form von Qualität

Auch bei den Schuhen liegen die Ursprünge dessen, was einen guten Schuh  von einem sehr guten Schuh unterscheidet, Jahrhunderte zurück. Denn anders als bei Damenschuhen stehen heute bei den Herren nicht mehr vorrangig Material und Design im Mittelpunkt, die selbstverständlich erstklassig sein müssen, sondern auch die handwerkliche Verarbeitung. Genäht muss ein guter Herrenschuh sein, darüber sind sich alle Experten einig. Bei flexiblen leichten Mokassins und Loafern mediterraner Art reicht eine Naht, die den Schaft mit der Sohle verbindet – mit anderen Worten, Loafer müssen „nur“ durchgenäht sein. Eine Technik, die man nach den Erfindern der entsprechenden Maschinen im 19. Jahrhundert auch als Blake- oder McKay-Machart bezeichnet.

Aber die echten englischen Klassiker, die landläufig, wenn auch allzu eng, auch als Business-Schuhe bezeichnet werden, müssen zwei Nähte haben. Mit einem „Rahmen“ genannten Lederstreifen befestigen sie insgesamt zwei Sohlen am Schuhoberteil, um als erstklassig gelten zu dürfen.

 

Wahre Schönheit kommt von innen

Diese Rahmennähtechnik genannte Bodenbefestigung gilt schon länger als die anspruchsvollste und wahrhaft königliche Technik der Schuhherstellung. Dabei erlangte sie erst mit der Brummel'schen Stilrevolution und dem Eintritt ins bürgerliche Zeitalter vor zweihundert Jahren ihre heutige herausragende Bedeutung. Damals, als die prunkvoellen höfischen Schnallen-Schuhe zu mehr oder weniger unscheinbaren Futteralen „geschrumpft“ wurden, deren Schönheit nun – gestützt auf eine hochentwickelte Handwerkskunst – von innen kam. Das Understatement war geboren. Politische Romantiker wollen darin auch den Ausdruck einer neuen republikanischen Bescheidenheit erkennen. Tatsächlich? Realisten und kühle Analytiker tippen hier eher auf eine raffiniert verfeinerte Form von Statuswillen und Distinktion.

 

„Also soll der Schuh geschnitten sein“ - Handwerk schenkt Prestige

Denn natürlich haben der schöne Brummel und seine Follower bei Schuhmachern arbeiten lassen, der ihre äußerlich unspektakulären Schuhmodelle mit besonders feinen Perlstichen nähten und anschließend die Naht elegant in der Sohle verschwinden ließen. Es war eine gehobene Handwerkskunst, die dem Träger der Schuhe Freude – und nach außen Prestige bescherte. Das machte damals nicht nur Schule, sondern hatte – auch wenn das kaum einer gewusst haben dürfte – schon eine längere Tradition. 

So wissen wir heute durch ein erhaltenes Skizzenblatt von Albrecht Dürer, dass der geniale Nürnberger Kupferstecher 1523 seinen Schuhmacher energisch anwiesen hat „also soll der Schuch geschnitten sin“ und dabei ausdrücklich auf „toppeln Soln“, also auf rahmengenähter Fertigung, bestand.

Obwohl, oder vielleicht auch weil um 1500 nur angesehene Patrizier Schuhe tragen durften, die in rahmengenähter Machart gefertigt waren, riskierte Dürer selbstbewusst eine dicke Sohle. Er wusste, was er sich als Künstler wert war und wollte das auch zeigen. Handwerker und Bauern mussten sich nämlich mit dünnen Wendeschuhen nach mittelalterlicher Fertigungsart begnügen.

 

Die Stil-Revolution frisst ihre Kinder

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts – da war unser guter Brummel schon ein Paar Jahre tot – krempelten erneut bahnbrechende Erfindungen die Welt der eleganten Mode um, so wie man sie bis dahin kannte.

Der Amerikaner Elias Howe erfand 1845 die erste Nähmaschine, mit der bald auch Schuhschäfte serienmäßig hergestellt werden konnten. Seine Landsleute, die Tüftler Lyman Reed Blake und Gordon McKay konnte die Maschine dann bald so  robust weiterentwickeln, dass man ab 1860 auch feste Schuhsohlen damit nähen und auf diese Weise mit dem Schuhoberteil verbinden konnte. Damit war der Weg frei für die komplett industrielle Herstellung von Schuhen.

Allein die rahmengenähten Schuhe blieben wegen ihrer anspruchsvollen Bodenkonstruktion noch einer Handfertigung durch die Schuhmacher vorbehalten – bis der amerikanische Industrielle Charles Goodyear um 1869 und 1870 zwei bahnbrechende neue Nähmaschinen zum Patent anmeldete: zum Einstechen des Schuhrahmens und zum Andoppeln der Sohle von rahmengenähten Schuhen. Eine Sensation!

 

Von Epplers Erfindung zu Goodyears Patent

Diese genialen Entwicklungen hatte Goodyear, Sohn des gleichnamigen Erfinders der Gummivulkanisation, dem Württemberger Konstrukteur und Schuhmacher Andreas Eppler abgekauft, der aus dem deutschen Kleinstaat in die Vereinigten Staaten ausgewandert war. Goodyear präsentierte die neuen Maschinen 1876 auf der Weltausstellung in Philadelphia - und sollte damit weltweit die Schuhherstellung revolutionieren. Der Siegszug der neuen Fertigung setzte sich ab den 1880er Jahren auch in Europa fort.

Da die Schuhfabriken diese Maschinen nicht kauften, sondern bei Goodyear  mieteten und pro genähtem Schuh bezahlten, werden Schuhe, die auf Goodyears Maschinen genäht werden, bis heute auch als „goodyear“-genäht oder „goodyear-welted“ bezeichnet.

Nur in Regionen, wo das Handwerk einen größeren Stellenwert behaupten konnte, ist dieser Begriff weniger geläufig. In Ungarn etwa war die zwiegenähte Machart lange Zeit ebenso verbreitet wie die rahmengenähte. Und das liegt nicht nur daran, dass die Zwienähmaschinen nicht von Goodyear, sondern von Andreas Eppler stammen, sondern hat Gründen, die sehr viel weiter zurückliegen.

 

Magyarische Schuhmacherkunst 

Ob es an ihrer Abstammung von den Magyaren liegt? Tatsächlich ist in Ungarn, wo vor über tausend Jahren dieses kriegerische Reitervolk sesshaft wurden, das Leder- und Schuhmacherhandwerk von alters her besonders hoch entwickelt. Auch zu Zeiten von Kaiser Franz Josef war die Kavallerie - möglicherweise eben darum – besonders hoch angesehen. Da die k-u-k-Offiziere mit schönen Stiefeln versorgt werden wollten, gab es überdurchschnittlich viele Schuhmacher, die auch verwöhnteste Ansprüche zufriedenstellen konnten.

Das prägte in Österreich-Ungarn nicht nur eine lebendige Schuh- und Stiefelmacher-Kultur, man verarbeitete auch gerne fremde Anregungen und passte sie den eigenen Traditionen an. So wurde aus dem rahmengenähten schottisch-englischen „Brogue“ hier der zwiegenähte „Budapester“ mit messingbenagelter Sohle - und fand bald so viel Zuspruch, dass er inzwischen ebenfalls zum Klassiker avancierte, an dem auch der alte Hipster Brummel seine Freude gehabt hätte.

Auch die Schuhformen zeigen im Gebiet der ehemaligen Donaumornarchie   eine  unverwechselbare regionale Handschrift. Mit kräftigem Gelenk und typisch steiler Zehenkappe sind sie als „ungarischer Leisten“ und etwas weniger markant als „Wiener Leisten“ inzwischen weltweite Exportartikel.

 

Für Dandies, Hipster & Co.

Dass Brummels Wiederentdeckung der Handwerkskultur heute noch lebendig ist und dieses kulturelle Erbe im südlichen Europa auch vierzig Jahre Sozialismus überstanden hat und lebendiger ist denn je, ist für alle Dandies, Hipster, Gentlemen und Liebhaber einer gehobenen Bekleidungskultur eine gute Nachricht. Und zugleich ein Auftrag. Kunststoff- und Turnschuhe kommen und gehen, genähte Lederschuhe bleiben … die bessere Alternative.  Schuhe von lászló verwirklichen eine „wunderbare Freundschaft“ aus europäischem Stil und anatomischer Funktion – im Nebennutzen zugleich  eine schöne Invesition in die europäische Integration.

 

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