László Budapest · Schuhwissen
Die Zopfrahmennaht
Eine Ziernaht, die zugleich Statik gibt. Bei László Budapest flechten unsere Schuhmacher die Zopfrahmennaht von Hand – sechs Arbeitsschritte, gewachster Leinenfaden, Stunden zusätzlicher Arbeit pro Paar.
Inhalt
Was ist eine Zopfrahmennaht?
Die Zopfrahmennaht, auch Flechtnaht oder einfach Zopfnaht genannt, ist eine spezielle Ziernaht, die in den Rahmen zwiegenähter Schuhe eingeflochten wird. Sie sitzt zwischen den beiden Sohlennähten und verläuft umlaufend auf dem nach außen umgelegten Rahmen.
Optisch erinnert das Muster an ein geflochtenes Zopfband – daher der Name. Technisch verstärkt sie die Verbindung zwischen Rahmen und Laufsohle und hat damit doppelten Wert: dekorativ und funktional.
Stabilität trifft Optik
Verstärkt
Zusätzliche mechanische Verbindung zwischen Rahmen und Sohle – der Schuh wird formstabiler und länger haltbar.
Erkennbar
Das Flechtmuster ist sofort sichtbar – ein Zeichen für Handarbeit, das Kenner auf den ersten Blick erkennen.
Tradition
Eine Technik aus der klassischen ungarischen Schuhmacherei – heute nur noch von wenigen Manufakturen beherrscht.
Die Basis ist die zwiegenähte Machart mit ihren zwei Hauptnähten: einer Innennaht, die Oberleder und Brandsohle verbindet, und einer äußeren Naht, die den Rahmen mit der Laufsohle vernäht. In genau diese äußere Naht wird die Zopfnaht eingeflochten – Schritt für Schritt, von Hand.
So entsteht eine Zopfrahmennaht
01
Materialauswahl
Für den Schaft hochwertiges, pflanzlich gegerbtes Kalbleder. Für den Rahmen kräftiges Rindleder, das zusätzliche Stabilität trägt. Für die Naht selbst gewachster Leinenfaden – reißfest, feuchtigkeitsbeständig und farbecht über Jahrzehnte.

02
Anreißen und Vorheften
Mit dem Stichrad zeichnet der Schuhmacher die Nahtlöcher entlang der Rahmenkante an – exakt gleichmäßig, denn Unregelmäßigkeiten sieht das Auge sofort. Mit der Ahle werden die vorgezeichneten Löcher gestochen, in Tiefe und Durchmesser exakt für den Faden bemessen.

03
Erste Naht – die Zwienaht
Bevor der Zopf gelegt werden kann, wird das Oberleder mit der Brandsohle vernäht. Der Rahmen wird angesetzt und mit der zweiten Naht so verbunden, dass er rechtwinklig nach außen abstehen kann. Erst diese Vorarbeit schafft die Basis, auf der die Zopfnaht später entsteht.

04
Flechten der Zopfnaht
Jetzt kommt die eigentliche Kunst: Der gewachste Leinenfaden wird in einem festgelegten Muster mehrmals durch die vorgestochenen Löcher gezogen und miteinander verflochten. Spannung und Rhythmus müssen über die gesamte Umlaufnaht gleichmäßig bleiben – sonst wird das Muster unsauber. Diese Arbeit lässt sich nicht maschinell ersetzen.

05
Verknotung und Veredelung
Nach Abschluss des Flechtens werden die Fadenenden sauber verknotet und ins Leder eingearbeitet, sodass sie nicht sichtbar bleiben. Anschließend wird der Rahmen mit Lederbalsam eingelassen und poliert – die Naht wird wasserabweisend und legt sich gleichmäßig an.

Welche László-Modelle haben eine Zopfrahmennaht?
Die Zopfrahmennaht setzen wir bei ausgewählten zwiegenähten Modellen als besonderes Detail ein. Sie unterstreicht den bodenständigen, charaktervollen Auftritt von Schuhen mit Doppel-Ledersohle und macht jedes Paar zum sichtbaren Beleg unserer Handwerksqualität.
Im Bild oben sehen Sie ein Modell aus unserer Premium-Linie mit Vienna-Naht – ein zwiegenähter Schuh, bei dem die Zopfrahmennaht das gesamte Sohlen-Bild prägt. Auf Anfrage realisieren wir die Zopfnaht auch in Sonder-Fadenfarben (klassisch Schwarz und Braun, akzentuiert Bordeaux oder Marineblau).

Pflege der Zopfrahmennaht
Der gewachste Leinenfaden ist von Haus aus reißfest und feuchtigkeitsabweisend. Bei der regelmäßigen Pflege gehen Sie über die Zopfnaht mit weicher Bürste und einem Schuhwachs oder einer Schuhpomade in passender Farbe drüber – das hält die Spannung im Faden, lässt das Wachs nachziehen und verlängert die Lebensdauer der Naht deutlich.
Detaillierte Anleitung und passende Burgol-Produkte finden Sie auf unserer Seite Schuhpflege.
Hintergrund
Eine ungarische Tradition
Die Zopfrahmennaht hat ihre Wurzeln in der österreichisch-ungarischen Schuhmacherei. Während der k.u.k.-Zeit gehörte sie zum Repertoire jedes guten Stiefelmachers – heute ist sie eine Spezialität, die nur noch wenige Manufakturen pflegen. In unserer Manufaktur in Bonyhád ist sie Teil unserer DNA.
FAQ
Häufige Fragen zur Zopfrahmennaht
Was unterscheidet die Zopfrahmennaht von einer normalen Zwienaht?
Bei der normalen Zwienaht verbinden zwei gerade Nähte den Rahmen mit Schaft und Sohle. Bei der Zopfrahmennaht wird zusätzlich ein dritter Faden in einem Flechtmuster durch den Rahmen gezogen – das ist reine Handarbeit und sichtbar als kunstvoll geflochtenes Band am Rand der Sohle.
Ist die Zopfnaht rein dekorativ oder hat sie eine technische Funktion?
Beides. Sie verstärkt mechanisch die Verbindung zwischen Rahmen und Laufsohle und erhöht damit Stabilität und Haltbarkeit. Gleichzeitig ist sie ein dekoratives Element, das den Schuh sofort als handgefertigt erkennbar macht.
Kann eine Zopfrahmennaht maschinell gefertigt werden?
Nein. Das Flechtmuster lässt sich nicht mit Standard-Goodyear-Maschinen erzeugen – es entsteht ausschließlich durch das manuelle Hindurchziehen und Verflechten des Fadens. Das ist einer der Gründe, warum nur wenige Manufakturen diese Technik überhaupt anbieten.
Wie pflege ich eine Zopfrahmennaht richtig?
Bei der regulären Schuhpflege geht man mit weicher Bürste und etwas Schuhwachs in passender Farbe über die Naht. Das frischt die Wachs-Imprägnierung des Leinenfadens auf und erhält die Festigkeit. Aggressive Reiniger und Lösungsmittel sollten vermieden werden – sie greifen das Wachs an.
Kann eine beschädigte Zopfnaht repariert werden?
Ja, in unserer eigenen Werkstatt. Bei der Neubesohlung kann die Zopfrahmennaht im gleichen Arbeitsgang erneuert oder ausgebessert werden. Die Originalfäden und Werkzeuge sind bei uns vorhanden – Reparaturen anderer Anbieter ohne Spezialwissen sind oft schwierig.
Handwerk im Detail
Entdecken Sie unsere zwiegenähten Modelle
Robust, charaktervoll und handwerklich kompromisslos. Mit oder ohne Zopfrahmennaht – immer aus eigener Manufaktur in Bonyhád.